
Mehr als 2 Jahre leben wir nun mit der COVID-19-Pandemie. Die Zahl der Menschen, die sich mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert haben, übersteigt alle bisher bekannten Infektionsgeschehen. Die neuen Zahlen haben ergeben, dass mehr als 1,5 Millionen Menschen als Neuinfizierte innerhalb einer Woche dem RKI gemeldet wurden. In der letzten Woche wurden fast 300.000 Infektionen an einem Tag von den Gesundheitsämtern dem RKI gemeldet. Die Zahl der Infektionen steigt, auch die Zahl derer, die Langzeitfolgen haben.
Der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach redet deshalb schon von einer neuen Volkskrankheit: „Long-Covid wird zu den wichtigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland gehören“. Für Long-Covid gibt es noch keine allgemein akzeptierte Definition. In der Regel versteht man das Fortbestehen der Beschwerden oder das neue Auftreten von Symptomen vier Wochen nach der Akuterkrankung. Beschwerden, die mehr als 12 Wochen nach Beginn der Infektion andauern, werden auch manchmal „Postcorona-Syndrom“ genannt. Verlässliche Daten, wie viele COVID-19-Langzeitfolgen es gibt, existieren nicht. Unterschiedliche Studien kommen zu unterschiedlichen Angaben. Sicher ist, dass mehr als 10% der Infizierten unabhängig von der Schwere des Verlaufs auch noch Monate später über Atembeschwerden, fehlende Belastbarkeit, Müdigkeit, Schlaflosigkeit und Geschmacksstörung leiden. Weiterhin ist es zweifelsfrei, dass die Beschwerden mit der Infektion in Zusammenhang stehen. Grundsätzlich ist das Phänomen von Langzeitfolgen nach Infektionskrankheiten nicht neu. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sagt, dass die Zahl der Betroffenen mit keiner anderen Infektionskrankheit vergleichbar ist. Auch die Zahl der möglichen Symptome ist ungewöhnlich. Anders als manchmal geglaubt, handelt es sich nicht um ein rein psychosomatisches Krankheitsbild. Es kann die Lunge, das Herz, das Gehirn, die Gefäße, die Muskulatur, Nieren oder andere Organe betreffen. Auch das neue Auftreten eines Diabetes wurde berichtet. Eine eindeutig heilende Behandlung gibt es nicht. In einzelnen Fällen sind rehabilitative Maßnahmen, Entspannungstechniken, Yoga oder andere symptomorientierte Maßnahmen möglich. Depressive Verstimmungen oder andere psychische Störungen erfordern manchmal eine Psychotherapie.